Verlag für widerständige Literatur 

"Realität ist für die Fantasielosen" Karin Kramer 

   Bauphilosophen | Frank Behnke| Bernd Kramer | Hermann Jan Ooster | Kai Pohl
Das Gasthaus zum letzten Yeti

"Bernd Kramer war Autor, Herausgeber, Trinker und Anarchist. Er starb 2014, ein halbes Jahr nach seiner Ehefrau, der Verlegerin Karin Kramer. Seine Streitbarkeit war berüchtigt, seine Ideen und Einfälle an den Kneipentischen legendär. (...) Neben der großen Expedition geht es um substantielle Themen wie »Backen ohne Mehl«, Günter Grass, links- und rechtsdrehende Hakenkreuze und die Frage, warum der Adamsapfel seinen Namen zu recht trägt. (...) Für mich, der Bernd und Karin Kramer seit den 1970er Jahren kannte, ist dieses Buch ein wahres Geschenk, denn hinter jeder Zeile taucht das Gesicht von Bernd Kramer auf, dieses Doppelporträt von Bakunin/Kramer. Er trinkt lachend sein Bierchen."

Jochen Knoblauch, Ein letzter Gruß von Bernd Kramer, Junge Welt, Ausgabe vom 7.10.2017, Seite 11

Staatenlose Insekten

"...Wollen Gedichte, will Sprache über das Bestehende hinaus, müssen sie zuerst ihrer Verflochtenheit in das Bestehende gewahr werden. Insofern sind Pohls Gedichte Aufklärung. Sie suchen kompromisslos in der Sprache das Falsche, Positionen, die Sprache an das ketten, was sie überwinden will. Und sie betreiben dieses Geschäft mit Humor. Und Humor heißt bei Pohl das Aufzeigen der Absurditäten der Situation, wie diese zu Tage tritt und sprachlich formen."

Jan Kuhlbrodt, Signaturen

"In dem Berliner »Revolverblatt« TorTour schrieb Kai Pohl vor rund zehn Jahren: »Wenn die Wirklichkeit ein finsterer Horrorladen am Rande des Hades ist – dann müssen wir festhalten: ›Diese Wirklichkeit ist nicht außer uns, sondern in uns. Sie ist nicht lesbar, aber gleichwohl müssen wir versuchen, sie zu entziffern.‹« Nun heißt es bei Pohl: »Folge der Losung der Tiere. / Sie scheißen auf den Staat. (...) Generäle, / bis auf den einen, der Streik heißt, / gehen mir am Arsch vorbei.« Pohl kann Gedicht (Dementi inklusive) und Cut-up: »Abneigung schlägt um in Aneigung« und »Leben ergibt keinen Sinn, wenn nicht / als stimmig geklaute Geschichte«."

Jürgen Schneider, Junge Welt , Ausgabe vom 29.06.2016, Seite 11

„…Kai Pohls Gedichte sind in ihrer Lyrik direkt, manchmal mit Anmerkungen, und immer poetisch in all seinen Themen. Es mag nicht Aufgabe von Lyrik sein, aber manchmal ist er auch weise. (…) ...aber das Quäntchen Widerstand gehört (fast) immer dazu… Sie riechen noch etwas, aber das soll kein Manko sein, nach „Osten“, aber sie schmecken nach Weltläufigkeit. Kai Pohl hat sich freigeschrieben. Für ihn braucht es keinen Vergleich. „Ich sollte meine ungeduld / den wolken überlassen / den worten und dem licht.“

Jochen Knoblauch, Neues Deutschland

El Dorado, One Way

"...Gereimte Verse hätten zu glatt oder eben zu stilisiert gewirkt, unpassend für die "Abrechnung" als die MENSCH AUS ERDE ausdrücklich bezeichnet wird. Das Ich in Oosters Tiraden mag angegriffen sein, aber es greift auch an... Das Bild der Liquidatoren, die in Plastikfolie verpackte Erde in der Erde begraben, bleibt dem Leser als eindrucksvolles Symbol rettungsloser Absurdität noch lange in den Knochen.
Als nach wie vor aktueller Kommentar zum Pflegenotstand - aber auch ganz einfach: als tolles Gedicht - sei UNTERM SAUERSTOFFZELT zur Lektüre empfohlen. Die Einzelheiten, Handgriffe, Gerätschaften der Arbeit, der Krankenhausalltag gehen authentisch in das Gedicht ein, aber sie erscheinen wie im Traum. Anders als in MENSCH AUS ERDE, gestattet sich Ooster in UNTERM SAUERSTOFFZELT kleine Reime, die die Verse strukturieren (ähnlich den Wiederholungen, die durchweg intensievierend wirken).
Man würde das Gedicht gerne mal vorgetragen hören".

Meinolf Reul, Der HOT LIST BLOG

Kleines Lexikon der Bauphilosophie

"Das Lexikon ist eine Gemeinschaftsproduktion der drei Bauphilosophen Kerl Fieser, Hermann Jan Ooster und Eckhart Triebel. Die Idee dazu entstand auf einer Baustelle im Jahr 1999 in Berlin. Sie wollten dabei nicht trocken Beschreibungen zu bautypischen Begriffen abgeben, wie man sie in jedem beliebigen normalen Lexikon nachlesen kann, sondern eher ihre persönlichen Erfahrungen aus einem Vierteljahrhundert Tätigkeit auf dem Bau wiedergeben, gewürzt durch die individuelle Wahrnehmung des ganz normalen Baualltags. Die Einträge enthalten teils witzige, teils sachliche, teils philosophische Betrachtungen oder auch völlig frei erfundene Behauptungen, die zwar plausibel klingen, aber auch wahr sein könnten."

Fraunhofer Institut, Stuttgart

"– ein Muss für Bewohner großer Städte und ländlicher Regionen, in denen spektakuläre oder gewöhnliche Baumaßnahmen nicht zum Ende kommen, und wenn doch, dann nur nach rätselvoller Explosion der ursprünglich taxierten Kosten. Kurzum: ein Buch für alle, die in Stadt und Land, direkt oder indirekt, mit der Baumafia zu tun haben, aber auch ein Buch für Leute, die ganz friedlich in ihrer Altbauwohnung herumwerkeln und dabei staunenswerte Entdeckungen machen."

Meinolf Reul, Der HOT LIST BLOG

"Agitation mit dem Zollstock"
"Wem das (...) »Philosophische Wörterbuch« nicht philosophisch und das »Historisch-Kritische Wörterbuch des Marxismus« nicht marxistisch genug ist, dem sei das handliche und daher auch baustellentaugliche Nachschlagewerk ans Herz gelegt. Spätestens nach der Lektüre kennt jeder »Amateur« den Unterschied zwischen »Auslegeware« und einem »Teppich«, weiß, dass der »Dachausbau« ein teures Unterfangen sein kann, hat von der »Dämm-Mafia« gehört und ist in der Lage das Phänomen der »Ausbeutung« mit einfachen Worten zu erklären..."

Thomas Wagner, Junge Welt , Ausgabe vom 11.02.2016, Seite 10

Ich, Medea

"Ich, Medea [ist eine] geradezu lautmalerische Erzählung über den Hang zur Widerständigkeit, zur Verneinung, wenn ein "Ja" Selbstverleugnung bedeutete. Neben seiner Offenheit für das Mögliche zeichnet sich Behnkes Lebenslauf eben auch dadurch aus, dass er an den - für ihn - richtigen Stellen "Nein" sagen konnte."

Ralf Krämer, "Vorrang hat immer die Kunst", in der taz Berlin vom 2.4.2015 (Link )

"... Wenn ich das lese, habe ich Bibiana Beglau in Schlöndorffs Die Stille nach dem Schuss vor Augen. Dieselbe gespannte Ruhe. Der Verlag bescheinigt dem Buch eine „scheinbar träumende, bildhafte Sprache”. Davon kann man sich anhand einer – längeren – Leseprobe selbst überzeugen – traut man einem visuell denkenden Künstler aber sowieso und unbesehen zu."

Meinolf Reul, Der HOT LIST BLOG

"Mit dem finsteren Stoff seines Romans Ich, Medea wagt sich Frank Behnke an eine der in der abendländischen Kunst meistgestalteten Frauenfiguren. [...] Der Kunstgriff, die Gleichzeitigkeit von intimistischer Nähe zur Figur und der durch das sprechen von ihr in der dritten Person erzeugten Distanz, ist das ideale Stilmittel, um der Janosköpfigkeit Medeas gerecht zu werden. Denn sie ist beides: Monster und Mädchen, Femme fatale und Femme fragile, bedrohliche gebärende und verschlingende Große Mutter und verlorenes motherless child, hypersensibilistisch und roh."

Thomas Hübener, spex no 363 , September 2015, S. 79 f. Zur vollständigen Rezension gehts hier lang .

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